… und wie befragt man Steine?
Seit Ende 2017 ist das Postamt von Doohoma geschlossen. Das ist traurig für die Seedbank of Love & Stories, denn damit hat sie dort leider keinen Platz mehr. Ich denke an Doris, Ann und Joseph, die in Doohoma für das Projekt gesorgt haben und bin ihnen sehr dankbar für Ihre Zeit und Energie. Gleichzeitig arbeite ich daran, die Seedbank of Love & Stories nach München zu holen. Das heißt, ich verusche herauszubekommen, wie aus dem ortsgebunden ein frei reisendes Projekt werden kann. Und dabei frage ich mich:
- Wie können die „Geschichten“ auch unabhängig von Sprache funktionieren?
- Wie kann es noch intuitiver werden, seine „Geschichte“ zu tauschen?
- Und wie können wir Irland als Entstehungsort der Seedbank mit auf die Reise nehmen?
In Irland erzählen sogar die Steine Geschichten …
… so der Slogan auf einer Irland-Webseite. Als ich es lese, denke ich „Cool, wir nehmen Steine mit ins Projekt. Jede Geschichte bekommt einen Stein. Und mit einem Stein an ihrer Seite kann eine ‚Geschichte‘ auch noch einfacher als bisher schon sein. Ein Wort. Ein Zeichen. Sprache ist nicht mehr so wichtig. Und wenn ich die ersten Steine direkt aus Irland mitnehme, ist auch der Ort schon ganz automatisch mit dabei – und für das Gleichgewicht kann ich für die irischen Steine ja Steine aus München zum Tausch anbieten.“ Soweit meine Gedanken – und ich merke, ich hab große Lust, Steine zu sammeln, in meiner Hand zu halten – und zu tauschen. Und ich beginne, in München Steine zu sammeln.
Aber dann ….
Ein sibirischer Schamane versicherte einem Ethnologen einmal: Wenn man einen Stein nimmt und woanders hinlegt, braucht er 15 Jahre, um sich zu beruhigen.
Die taz meiner Nachbarn liegt zufällig in unserem Hausflur …. und genau dieser Text springt mich an. „Na toll“ denke ich. „Da hast Du Dir ja was eingebrockt!“
15 JAHRE, UM SICH ZU BERUHIGEN !!!
Ich schaue mir die Steine an, die ich in München schon gesammelt hab zum Tausch für Irland. Wie kleine Tiere liegen manche von ihnen auf meinem Küchentisch. Bunt. Viel bunter als ich sie von der Isar in Erinnerung habe. Und ich frage mich: „Kann ich sie fragen, ob sie bereit sind für die Reise?“

Und ich beginne Menschen um mich rum zu fragen, wie ich einen Stein befragen kann. Meine Freundin J. aus B. lacht – „Den brauchst Du nicht fragen, nimm ihn einfach mit“. Einschlägige Literatur wiederum berichtet, daß man einen weggenommenen Stein auf jeden Fall wieder an seinen Platz zurücklegen oder sich zumindest darum kümmern müsse, daß es ihm am neuen Platz gefällt.
Was nun?
Wie macht man eine Steinbefragung?
Ich freu mich über pragmatische, intuitive, wissenschaftliche, philosophische, fröhliche und ernste, nachprüfbare oder auch einmalige Hinweise, Erfahrungen, Literaturhinweise etc.
Bitte per Mail an mail@seedbank.world
Ich werde mir alles anschauen und versuchen zu lernen und herauszubekommen, was wir für das Projekt verwenden können.